Die Aussage „Die Geschwindigkeit des RB22 bei Regen überrascht mich…“ wirkte auf den ersten Blick wie eine beiläufige Bemerkung im Rahmen eines Interviews. Doch die Reaktionen darauf und die Einordnung durch Experten machten schnell deutlich, dass hinter diesen Worten weit mehr steckt. Zufällig – oder vielleicht auch unbewusst – offenbarte die Antwort, wie groß das Vertrauen von Max Verstappen in den RB22 unter extremen Bedingungen tatsächlich ist. Besonders der Grand Prix von São Paulo 2024 dient dabei als eindrucksvolles Beispiel dafür, warum Red Bull Racing und Verstappen bei Regenrennen eine psychologische Dominanz ausstrahlen, die andere Teams zunehmend unter Druck setzt.

Regen war in der Formel 1 schon immer ein entscheidender Faktor, der Hierarchien auf den Kopf stellen kann. Fahrzeuge, die im Trockenen überlegen wirken, verlieren bei nasser Strecke oft ihren Vorteil. Umso bemerkenswerter ist es, wenn ein Auto wie der RB22 auch unter solchen Umständen nicht nur konkurrenzfähig bleibt, sondern regelrecht Angst bei der Konkurrenz verbreitet. Verstappen selbst ist bekannt dafür, Regenrennen zu lieben. Für ihn sind sie keine Lotterie, sondern eine Bühne, auf der fahrerisches Können, Vertrauen ins Material und strategische Klarheit zusammenkommen.
Seine Aussagen über die Performance des RB22 deuten darauf hin, dass Red Bull genau dieses Gesamtpaket perfektioniert hat.
Der Grand Prix von São Paulo 2024 war geprägt von wechselhaften Wetterbedingungen, plötzlich einsetzendem Regen und schwierigen Sichtverhältnissen. Viele Teams kämpften mit mangelndem Grip, unvorhersehbarem Reifenverschleiß und instabilen Fahrzeugen. Währenddessen wirkte der RB22 auffallend ruhig. Verstappen konnte seine Linien sauber fahren, später bremsen, früher beschleunigen und vor allem konstant schnelle Rundenzeiten setzen. Diese Konstanz war es, die andere Rennställe nervös machte. Denn sie zeigte, dass Red Bull nicht nur bei optimalen Bedingungen überlegen ist, sondern auch dann, wenn äußere Faktoren normalerweise für Chaos sorgen.

In Interviews nach dem Rennen sprach Verstappen davon, dass ihn die Geschwindigkeit des Autos im Regen selbst überrascht habe. Diese Aussage ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Zum einen deutet sie darauf hin, dass der RB22 noch Reserven besitzt, die selbst der Fahrer nicht vollständig einkalkuliert hatte. Zum anderen sendet sie ein Signal an die Konkurrenz: Wenn sogar der dominierende Weltmeister überrascht ist, wie gut sein Auto funktioniert, wie sollen andere Teams dann eine realistische Chance sehen, diesen Vorsprung aufzuholen? Genau hier entsteht der psychologische Effekt, der in der Formel 1 oft unterschätzt wird.
Technisch betrachtet profitiert der RB22 von einer extrem stabilen Aerodynamik-Plattform. Gerade bei Regen, wenn der Grip stark reduziert ist, spielt die Balance des Fahrzeugs eine entscheidende Rolle. Das Auto reagiert berechenbar, selbst bei plötzlichen Lastwechseln. Hinzu kommt eine Aufhängung, die Unebenheiten und Wasseransammlungen effizient ausgleicht. Diese Eigenschaften ermöglichen es Verstappen, sein aggressives, aber kontrolliertes Fahrstilkonzept auch unter widrigen Bedingungen umzusetzen. Andere Fahrer müssen in solchen Situationen oft vorsichtiger agieren, was wertvolle Zeit kostet.

Doch nicht nur die Technik ist entscheidend. Verstappens Vertrauen in den RB22 wirkt sich direkt auf seine Entscheidungen im Cockpit aus. Er ist bereit, Risiken einzugehen, Linien auszuprobieren und Manöver zu setzen, die andere Fahrer nicht wagen würden. Beim Grand Prix von São Paulo war deutlich zu sehen, wie er Überholmanöver an Stellen ansetzte, die bei Regen als besonders heikel gelten. Diese Entschlossenheit basiert nicht auf Leichtsinn, sondern auf der Gewissheit, dass das Auto ihm nicht plötzlich unkontrollierbar ausbrechen wird.
Für die anderen Teams ist genau das beunruhigend. Denn selbst wenn sie in einzelnen Sektoren mithalten können, fehlt oft dieses letzte Quäntchen Vertrauen. Ein Ferrari, Mercedes oder McLaren mag auf dem Papier konkurrenzfähig erscheinen, doch sobald Regen einsetzt, zeigt sich, wie fragil diese Performance sein kann. Strategische Fehlentscheidungen, zögerliche Boxenstopps oder konservative Fahrweisen sind häufig die Folge. Verstappen hingegen wirkt in solchen Momenten fast befreit, als würde das Chaos um ihn herum eher zu seinem Vorteil arbeiten.

Der Grand Prix von São Paulo 2024 hat damit eine klare Botschaft gesendet. Red Bull und Verstappen sind nicht nur unter idealen Bedingungen das Maß der Dinge, sondern auch dann, wenn äußere Umstände eigentlich für Unberechenbarkeit sorgen sollten. Diese Vielseitigkeit ist es, die Angst bei der Konkurrenz schürt. Denn sie nimmt den Teams eine ihrer letzten Hoffnungen: dass wechselhaftes Wetter die Kräfteverhältnisse zumindest zeitweise ausgleichen könnte.
Langfristig hat diese Entwicklung auch Auswirkungen auf die strategische Ausrichtung der Teams. Wenn ein Auto wie der RB22 im Regen derart überlegen ist, müssen andere Rennställe ihre Entwicklungsprioritäten überdenken. Es reicht nicht mehr, nur auf maximale Performance im Trockenen zu setzen. Vielmehr wird Stabilität, Berechenbarkeit und Fahrerfeedback immer wichtiger. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Fahrer selbst. Wer gegen Verstappen antreten will, muss nicht nur technisch, sondern auch mental auf höchstem Niveau agieren.
Verstappens Interviewaussage mag beiläufig gewirkt haben, doch sie passt in ein größeres Bild. Sie zeigt einen Fahrer, der sich seines Materials bewusst ist, aber dennoch immer wieder neue Facetten entdeckt. Genau diese Kombination aus Selbstvertrauen und Lernbereitschaft macht ihn so gefährlich. Für die Konkurrenz ist das ein alarmierendes Signal. Denn es bedeutet, dass selbst nach Jahren der Dominanz noch kein Plateau erreicht ist.

Der Regen in São Paulo wurde damit zu mehr als nur einem Wetterphänomen. Er wurde zum Symbol für die aktuelle Machtverteilung in der Formel 1. Solange Red Bull ein Auto wie den RB22 stellt und ein Fahrer wie Max Verstappen es unter allen Bedingungen an die Grenze – und oft darüber hinaus – bewegen kann, bleibt die Angst bei den anderen Teams ein ständiger Begleiter. Und jede noch so beiläufige Aussage in einem Interview wird zum weiteren Beweis dafür, wie tief diese Überlegenheit inzwischen verankert ist.